Da bin ich nun, endlich wieder in Ghana angekommen und der Kälte in Deutschland entflohen. Es sind hier angenehme 30° C im Schatten, also wirklich ein schönes Kontrastprogramm.
Und Schatten ist hier und jetzt eigentlich immer und überall. Es ist Harmattan Saison, die Winde kommen im Januar/Februar vom Norden und so ist der Himmel immer durch eine gehörige Portion Saharastaub verhangen. Die Sonne kommt selten ganz durch, was das Reisen in den beiden Monaten eher angenehm macht. Andererseits darf man jetzt nicht mit Regen rechnen. Das macht ausgiebige Ausflüge „ins Grüne“ nicht so spannend, weil es nicht sehr grün ist. Vor allem der Besuch der ansonsten so wunderbaren Wasserfälle in der Eastern Region Ghanas machen keinen Sinn, da man nichts als das trockene Flussbett „bewundern“ kann.
Natur- und Wanderurlaub empfiehlt sich in Ghana eher in und vor allem nach der Regenzeit von Juli bis September. Aber dazu bin ich diesmal (leider) ja nicht hier.
Da ich erst einen Tag hier bin und in Sachen Kunsthandwerk noch nicht so viel unternommen habe, dachte ich mir, ein paar Reisetips und allgemeine Eindrücke für diejenigen, die vielleicht auch einmal nach Ghana kommen wollen, wären am Anfang nicht schlecht:
Zum einen kann ich die Airline, Afriqiyah, bestens Gewissens empfehlen. Die beiden Flüge von Düsseldorf nach Tripolis und weiter von Tripolis nach Accra waren sehr angenehm, wie immer in ziemlich neuen Airbus Fliegern mit reichlich Beinfreiheit und bestem Service – und das bei unschlagbarem Preis, mit gut 500 € lag Afriqiyah deutlich unter allen anderen Angeboten. Zudem kam – im Gegensatz zu meinen letzten KLM-Flügen – sogar das Gepäck mit mir in Accra an.
Auch das sonst einzige Manko der Airline, die etwas chaotische und langwierige Prozedur beim Umsteigen in Tripolis, fiel diesmal aus. Man hat den Betrieb auf dem Flughafen deutlich effizienter und angenehmer organisiert.
Was mich dort erstaunt hat: In der Transithalle (die jetzt auch Einreisehalle für die Libyer ist), standen einige Fernseher, auf denen z.T. BBC-Nachrichten gesendet wurden, mit komplett ungeschnittener Berichterstattung über die Ereignisse in Ägypten und Tunesien. Das große Bild mit dem Konterfei von Gaddafi ist hingegen verschwunden und libysche Mitreisende fingen nach der Ankunft in Tripolis an, über ihren heimischen Provider ungehindert mobil im Internet zu surfen. Mehr bekam ich leider nicht zu sehen, aber wenn diese Kleinigkeiten ein zarter Anflug von politischer Liberalisierung in Libyen wären, wäre das natürlich schön. Und ganz sanft kam bei mir dann auch der Wunsch auf, irgendwann einmal mehr von Libyen zu sehen als nur den Flughafen in Tripolis.
In Accra angekommen, habe ich um Mitternacht gleich mein „Stammhotel“ Cést Si Bon in Kokomlemle angesteuert, dort gleich ein großes Hallo mit dem Stammpersonal, das mir auch gleich ein Angebot machte, das ich nicht ausschlagen konnte. So habe ich jetzt hier für knapp 18 Euro pro Nacht das größte Zimmer für die ganzen zwei Wochen als „Basislager“ gebucht und werde die anderen Reisen in 1-3-Tagestouren von hier aus absolvieren. Das Cést Si Bon ist keineswegs ein Luxushotel, aber wenn man eines der großen Zimmer im Innenhof bekommt auf jeden Fall zu empfehlen. Die Lage ist einfach ideal, man ist mitten im „alten“ Stadtviertel unter Einheimischen, und trotzdem nur ein paar Minuten von den lebendigsten Ecken der Stadt und den Busstationen entfernt.
Eine Sache ist mir in Accra sofort aufgefallen: die Straßen der Stadt sind so sauber, dass sich meine Heimat Köln daran ein Vorbild nehmen könnte! Ich kannte Accra bislang nur als den Ort, in dem die Straßenränder und Gatter (die meist offene Kanalisation) mit Plastikmüll und sonstigem Unrat zugemüllt und verstopft sind, was ja auch der Hauptgrund war, das Trashy Bags Projekt zu gründen. Davon ist nichts mehr zu sehen, die Stadtreinigung leistet offenbar ganze Arbeit. Den Ghanaern, die ich darauf anspreche, ist das aber gar nicht bewusst, da bekomme ich immer die Antwort „ja, jetzt wo Du es sagst, fällt mir das auch auf…aber so muss es ja eigentlich auch sein“. Eine Antwort auf das „warum“ werde ich versuchen, in den nächsten Tagen herauszufinden, in weiteren Gesprächen, natürlich auch bei den Leuten von Trashy Bags. Ich hoffe jedenfalls, das es nachhaltig ist und die Stadtverwaltung nicht nur wegen einiger zuletzt aufgetretener Cholera-Fälle der Hygiene vorübergehend Priorität eingeräumt hat.
Am Nachmittag habe ich es heute dann doch noch zu TK Beads ins Glascenter geschafft. Da natürlich auch erst einmal die lange herzliche Begrüßung, die Stimmung dort ist trotz der vielen Arbeit prächtig. Die Perlen werden nächsten Monat erstmals bei der großen Beads- and Minerals Fair in Tuscon/USA vorgestellt, da ist erst einmal großes Packen angesagt. Zum Glück sind die beiden IT- und Organisationsfreaks von ihrem halben „Sabbatjahr“ zurück, was die Arbeit doch deutlich erleichtert. Die beiden haben mich auch gleich von meinem „Mineralogen-Spleen“ zurückgepfiffen, jede neue Farbe nach exotischen Edelsteinen zu benennen, die kaum jemand kennt. Es wird also auch künftig keine Glasperlen in „Dioptas-Grün mit Larimar-blauer Uruguaybänderung“ geben
, da lassen wir uns noch bessere Namen einfallen…
Die neuen Perlen und Farben wird es natürlich schon geben. Wir haben heute den ersten Versuch begonnen, Porzellan-und Bauxit-Bruchstücke in die Glasmatrix einzumischen (das Porzellan stammt von alten Perlen, der Bauxit aus den hiesigen Lagerstätten). Auf das Ergebnis nach dem Schmelzen bin ich selbst gespannt. Aber dazu werde ich dann in den nächsten Tagen mehr berichten, und dann gibt es auch Fotos, versprochen!
Na gut: ein Foto gibt es jetzt schon, von den ersten vorgefüllten Mulden für die Glasperlen. Sie müssen noch geschmolzen werden, aber eine Ahnung, welche Farben demnächst kommen, ergibt sich aus dem Bild schon…
